Gedankenwirrwarr | Instagram, Reichweitendruck und Selbstzweifel

Vielleicht gehe ich ein bisschen anders an die Sache ran, weil ich nicht ganz so businessorientiert bin wie einige meiner Kollegen. Instagram ist für mich nicht einfach eine Plattform, um Geld zu verdienen, sondern noch immer eine kreative Community. Ein Schmelztiegel vieler Menschen mit den unterschiedlichsten Talenten und Bildsprachen. Ein Ort, an dem ich sehr viele tolle Menschen kennengelernt habe. Nicht nur das. Instagram und vor allem auch mein Blog haben es möglich gemacht, dass ich ein in vielerlei Hinsicht tolles Leben führe. Ich möchte euch nun einen Blick dahinter gewähren. Auch weil ich glaube, dass ich das ganze mittlerweile ziemlich reflektiert betrachten kann. Das hier sind keine Tipps für einen erfolgreichen Blog, keine Klagelieder über das ungerechte Leben eines Bloggers, kein Influencer- und Instagram-Bashing.

Das hier ist nur meine Sicht auf eine Branche, die ich in den letzten Jahren kennengelernt habe. Ich will viele von euch ermutigen, warnen und niemanden angreifen.

frank Lin Instagram

Ich betrachtete oft meinen Instagram-Feed und fragte mich: Bin das noch ich? Muss ich etwas ändern? Ich analysierte andere große Accounts und fragte mich ernsthaft: „Was mache ich falsch? Ich bin kein Model und von Haus aus auch nicht reich, habe mir alle meine Markenklamotten selbst erarbeitet und kann nicht alle zwei Wochen eine neue Luxustasche in die Kamera halten. Meine Talent für Fotografie lässt sich erahnen, meine Essensbilder und Flatlays sind schön aber das alles können andere viel besser.

„Warum sollte man mir eigentlich folgen?“

Diese Frage hat mich eine lange Zeit beschäftigt, ja fast gequält. Wieso wachsen meine Zahlen so langsam, während sie bei anderen Bloggern in wenigen Monaten durch die Decke gehen? Habe ich den „Absprung“ nicht geschafft? Gehöre ich jetzt zu den Namenlosen? Verdrängt mich die nächste Influencer-Generation? Nein. Diese Fragen sind nicht nur selbstzerstörerisch – sie sind meinen treuen Lesern und Followern gegenüber sogar beleidigend. In letzter Zeit lese ich oft Texte von Kollegen, die sich darüber beklagen, dass sie mit ihrer vorhandenen Reichweite nicht mehr das große Geld machen. Puh. Nun ja, als Bloggerkollege kann ich euch verstehen, als Leser denke ich mir:

„Ernsthaft? Du steigst in den schönsten Hotels ab, bekommst im Grunde alles geschenkt und jetzt beschwerst du dich, dass du dafür nicht gut genug bezahlt wirst? Sind wir Leser dir nicht gut genug?“

Sich bei den eigenen Lesern darüber zu beklagen, dass man nicht genügend Leser hat, empfinde ich als vollkommen unangebracht. Schwierig. Denn im Grunde sollten wir jeden einzelnen unserer Leser und Follower zu schätzen wissen. In einer Zeit, in der man sich für ein paar Cent einen Fake-Follower kaufen kann, ist jeder echte um so mehr wert. Es wird ja viel diskutiert darüber, ob Unternehmen auf Reichweiten oder auf Qualität setzen. Bekannter- und paradoxerweise geht das ja sehr oft nicht Hand in Hand. Aber was hat das zu bedeuten? Dass die Mehrheit der Deutschen nicht auf Qualität setzt sondern auf… Ja auf was eigentlich? Wenn Unternehmen und coole Projekte nur noch an die Blogger gehen, die einen großen Namen und eine noch größere Followerschaft haben und weniger an die, die einfach sehr gut zur Marke passen, dann ist das einfach dämlich – für alle Beteiligten. Das ist eigentlich auch kein Geheimnis mehr. Aus Verzweiflung machen wir Instagram und diejenigen, die durch die Plattform groß geworden sind, nieder, unterstellen ihnen den Kauf von Followern und den Einsatz von Bots (Oft zurecht). Gleichzeitig feiern wir plötzlich diejenigen, die zugeben, dass sie die eben genannten Praktiken anwenden oder angewendet haben, um ihre Reichweite zu erhöhen, und applaudieren ihnen auch noch für ihre Beichte, uns Leser jahrelang betrogen zu haben, nur um den eigenen Profit zu sichern.

Nichtsdestotrotz zeigen wir Blogger und Influencer im Moment erstaunlich oft mit dem Finger auf die anderen – der Neid und der eigene Selbstzweifel zerfrisst uns innerlich. Wir versuchen ständig, auf irgendwelche Trend-Züge aufzuspringen, um unsere Reichweiten zu erhöhen, und verlieren dabei unsere eigene Identität. Das gewisse Etwas, das uns mal den Großteil unserer Leser gebracht hat. Und auch ich ertappe mich manchmal selbst dabei, wie ich mir diese Frage stelle.

„Wieso er?“ meint viel mehr „Wieso nicht ich?“

Und dann erinnere ich mich daran, dass ich schon so tolle Projekte machen durfte, eben weil Unternehmen und Menschen an mich geglaubt haben. Weil ihnen meine Texte und meine Bildsprache gefällt und weil sie ernsthaft davon überzeugt sind, dass ich schlichtweg die Marke gut repräsentiere, auch ohne zu den „Mega Influencern“ zu gehören. Kooperationen, die sicher viele meiner Kollegen stutzig machten! „Wieso er?“

Ihr könnt euch nicht vorstellen, für wie viele große Projekte ich schon angefragt wurde. Anfragen, in denen man mir ganz klar suggerierte, dass man mich für das Projekt bereits ausgewählt habe. Das waren Reisen, Kampagnen mit namhaften Unternehmen, ein Advertorial in einem großen Magazin. Und ganz plötzlich heißt es dann aber: „Sorry, wir haben uns jetzt doch anders entschieden.“ In solchen Momenten schießt sie einem wieder in den Kopf, diese böse Frage nach dem „Wieso„. Auch hier hat man im ersten Moment das Gefühl, die anderen sind schuld. Schuld daran, dass ich mich jetzt minderwertig und schlecht fühle. Dabei ist es ja gar nicht so. Es war ganz allein meine Schuld, dass ich meine eigene Wertschätzung anhand Followerzahlen, Gefällt mir angaben und Kooperationsanfragen gemessen habe.

Ich musste erst lernen, damit umzugehen. Mit der Tatsache, dass man als Person vielleicht einfach doch nicht passt oder dass zumindest die Reichweite nicht stimmte. Lese ich eine spannende Kooperationsanfrage, versuche ich meine Freude und die Erwartungen zu zügeln, bis die Sache ganz fix ist. Ich weiß, dass da draußen viele sind, die gerne Blogger werden wollen. Leute, die mir schreiben und mich fragen, wie ich an solche Kooperationen komme und welche Ratschläge ich für sie habe.

Hier ist einer, den ich für eine Weile selbst nicht befolgt habe:

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Bleib einfach du selbst!

Es gibt PR Manager, die euch vielleicht gerade beobachten, die euch toll finden und die eigentlich nur darauf warten, dass ihr die Mindestreichweite, die der Kunde sich nunmal wünscht, erreicht habt. Die eigentlich sehr gerne mit euch arbeiten wollen, aber einfach noch nicht können, weil auch sie sich nach jemandem zu richten haben. Die Kunst ist, geduldig zu sein und nicht ständig an sich zu zweifeln.

Ja – Instagram ist ein sehr schnelles Medium und ja, es ist wichtig, sich ständig weiterzuentwickeln. Sich neu zu erfinden, um frische Inhalte zu liefern. Aber. Orientiert euch nicht an den anderen. Versucht nicht zu sein wie die großen Influencer – denn die gibt es ja schon. Glaubt nicht, ihr könntet an den Erfolg der anderen anknüpfen, indem ihr ihre Posen, ihre Bildsprache oder ihren Stil 1:1 adaptiert. Mal ehrlich – Möchtest du die günstigere Version eines Mega-Influencer sein? Sich Inspiration zu holen ist vollkommen okay. Aber sei du selbst, habe eine Botschaft, eine eigene (!) Ästhetik und Persönlichkeit.

Ich glaube, ich bin ein ganz Gutes Beispiel dafür, dass einige Unternehmen anders denken. Dass ihnen allein die Reichweite gar nicht so viel bringt und es bei einer Bloggerkooperation ja auch vielmehr um das Branding geht. Um ein Image, um einen Markenbotschafter. Und ich sage euch: Das ist die Zukunft – also bleibt am Ball.

Das klingt jetzt, als würde ich euch doch Tipps geben, wie ihr erfolgreiche Blogger werdet. Aber eigentlich will ich mich hiermit nur selbst daran erinnern, meinen eigenen Weg zu gehen und mich nicht immer mit anderen zu messen.


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16 Comments

  • 5 Monaten ago

    Danke für deine Sicht der Dinge, die mich zum Nachdenken anregen. Der Post bringt mich wieder etwas auf den Boden der Tatsachen und ermutigt mich zu gleich einfach ich beim Bloggen zu sein. Leider verfallen wir heutzutage zu sehr darin uns mit anderen zu vergleichen und Energie zu verschwenden – anstatt sie in die eigenen Projekte zu stecken…

    Du weißt ja, ich „folge“ dir nun seit einem Jahrzehnt und tue es immer noch, weil du authentisch bist, auch wenn die Umstände sich zum Teil geändert haben, bist du immer noch du und nicht so abgehoben. Das schätze ich wirklich an dir als Influencer!

  • David
    5 Monaten ago

    Toller Artikel!

  • 5 Monaten ago

    Ein toller Post! Ich kenne diese Zweifel, und war sogar mal kurz davor, alles hinzuschmeißen. Und dann ist mir klar geworden, dass mein Blog schon einige Leser hat und irgendwie wächst – vielleicht nicht so schnell, wie andere, aber das ist doch letztendlich egal. Genau so bei Instagram. Es geht doch darum, was ich machen will und nicht um das, was andere machen.

  • 5 Monaten ago

    Oh wow, Instagram ist gerade wirklich überall ein Thema und auch bei mir. Ich selbst Blogger so gerne aber es schwingt immer mit – diese Reichweite. Bei mir hat sich da seit Monaten nicht viel getan, ich bin da kleiner als klein, was natürlich auch daran liegt, dass ich in den letzten Monaten nicht sehr aktiv war, aber jetzt, wo ich es wieder bin und die Zahlen noch kleiner werden, ist das schon etwas deprimierend. Nicht, weil ich sein will wie die Großen, oder reich damit werden will. Aber so ganz „unbemerkt“ zu bleiben, ist schon traurig.

    Ein wirklich schöner Post! Regt auf jeden Fall zum Nachdenken an.
    Viele Grüße
    Julia

  • 5 Monaten ago

    Toll geschrieben und du bringst es auf dem Punkt! Mir geht es in vielerlei Hinsicht ähnlich und doch hätte ich das Thema nicht so toll auf den Punkt bringen können! 🙂 ich freue mich sehr dich gerade entdeckt zu haben-
    Liebe Grüße,
    Tina.

    http://styleappetite.com

  • 5 Monaten ago

    I am happy to see (ok, even this is not the best theme to be happy about) that I am not alone with the doubts and thoughts about fake followers and hearts-likes, even now when instagram introduced that new and totally stupid (yeah, lets give it the right name) algorithm.
    We need to ignore it, we need to stay ourselves and keep the hard work. If company is interested in numbers only, than this company has no chance to cooperate with people similar to us and our thinking.
    Keep it up, guys,
    Michael
    MesHommes.com

  • 5 Monaten ago

    Danke für diesen Beitrag!! Ich teile deine Gedanken und finde mich in deinen Überlegungen wieder. Nur auf Followerzahlen zu achten ist ein Fehler. Man muss sich nur mal ansehen, wer diese Follower sind! Was nützt es mir zum Beispiel als Herrenkosmetikmarke mit Influencern zu arbeiten, die nur Kommentare von Mädels bekommen? Und wie relevant kann ein Influencer sein, der einfach alles „abgreift“ – aber eben keinerlei Image hat. Die Qualität sollte viel mehr Beachtung finden und Marken sollten Wert darauf legen auf Personen zu setzen, die eben nicht genauso sind wie alle anderen.
    Liebe Grüße, Chris | http://www.kaisers-neue-kleider.com

  • 5 Monaten ago

    Wahnsinnig guter, tiefsinniger Artikel der mir grad wirklich Mut gemacht hat! Hab grad selber erst meinen Blog gestartet und in der ein oder anderen schlechten Minute überlegt das Projekt wieder an den Nagel zu hängen weil man doch nie so sein wird wie die ganz Großen aber letztendlich ist das vielleicht doch gar nicht so wichtig. Danke dafür!!
    Liebste Grüße
    Patricia

  • 5 Monaten ago

    Sehr guter Beitrag!:) Wir finden uns in ihm wieder und waren auch schon von Selbstzweifeln geplagt, aber wie Du schreibt: man sollte stets man selbst bleiben! Wir bleiben dem Credo weiterhin treu und machen unser Ding!:)
    Liebste Grüße,

    Lisa & Cyrielle von ‚Herzlachen‘

  • Mai
    5 Monaten ago

    Hallöchen Frank 🙂
    Ich hoffe es ist okay, wenn ich hier mal schreibe, dass ich mir in letzter Zeit nie richtig sicher war, was bei dir im Instagram-Feed noch du bist und was nicht mehr. Daher finde ich diesen Artikel umso hilfreicher. Das bedeutet einerseits, dass ich davon ausgehen kann, dass auch in letzter Zeit deine Bilder ein Teil deiner sind. Deine Ästhetik, dein Verständnis von Mode und Leben. Es stimmt, man (ich) ist neidisch. Andererseits weiß ich nie, wie viel Arbeit WIRKLICH dahinter steckt. Hin und wieder ist so ein Text wichtig, vielleicht auch für den einzelnen Follower.
    Du machst es also wirklich großartig 🙂 Wenn das nämlich alles wirklich authentisch und damit wirklich du bist: dann Hut ab! Und ich sollte mich einfach freuen, dass du es so weit geschafft hast, anstatt doof zu gaffen 🙂
    Grüßis, Mai

  • 5 Monaten ago

    Toller Beitrag. Habe ihn sehr genussvoll und mit einem grinsen gelesen. <3

  • 5 Monaten ago

    Lieber Frank …
    durch Ninas (@fashiioncarpet) Instagram Story wurde ich vor ein paar Tagen auf Deinen Beitrag aufmerksam. Dein sympathisches Äußeres und Deine interessante Überschrift haben mich neugierig gemacht.
    Ich habe vor ein paar Monaten meinen eigenen Blog erstellt und habe quasi … keine Reichweite. Egal. Naja – nicht ganz. Trotzdem verfolge ich das Schreiben mit großer Leidenschaft und bin glücklich über meine kleine treue Leserschaft.
    Es war mir eine große Freude, Deinen Artikel zu lesen und ich werde sicher wiederkommen.
    Liebste Grüße.
    <3
    Steffi
    http://www.tephora.de

  • 5 Monaten ago

    Was für ein toll geschriebener Post – ich bin per Zufall auf diesen Beitrag durch Tina’s Hinweis (http://styleappetite.com/) gestossen und finde ihn absolute klasse! Fühle total mit dir – aber hab mich definitiv auch dazu entschieden, mir selbst treu zu bleiben und alles einfach so zu nehmen wie es kommt!
    Liebst, Mirjam | http://www.miiju.ch

  • 4 Monaten ago

    Deinen Artikel finde ich richtig klasse!
    Ich befinde mich in der Anfangsphase und bin auch so auf der Suche nach mir selbst!
    Vielen Dank für die Worte und dir natürlich alles Gute auf Deinem Weg!

  • 4 Monaten ago

    Das ist einer der besten Artikel, die ich bisher zu dem Thema Instagram und Reichweite gelesen habe – wenn nicht sogar der Beste. Du bringst es wunderbar auf den Punkt, was, glaube ich, so viele Blogger momentan fühlen. Mir geht es da nicht anders… ich denke, dass es wichtig ist, sich immer daran zu erinnern, dass man selbst genug ist und niemandem hinterher zu eifern braucht. Auch wenn das in der schnellen Instagram-Welt, wo jeder seine fünf Minuten Fame haben kann, manchmal schwer fällt.
    Vielen Dank für die Erinnerung daran, dass das wichtigste ist, dass man sich selbst treu bleibt.

    Ich mag deinen Blog übrigens sehr gerne, deine Bildsprache und deine Inhalte heben dich wirklich von der Masse ab, finde ich 🙂

    Liebst,
    Julie

  • 4 Monaten ago

    Hi, Frank,
    durch NINA bin ich auf deinen Blog aufmerksam geworden! Großes Lob dafür: dein Blog gleicht einem Lifestyle Magazine!

    Auch wenn du tausendmal erfolgreicher bist als ich es jemals sein werde, habe ich genau die selben Gedanken und Zweifeln wenn es um meinem Blog geht! Ich blogge seit fast 7 Jahre, ohne diesen „Absprung“ geschafft zu schaffen. Ich bin so lange dabei, dass ich wirklich die Entwicklung von allem beobachten konnte ohne selbst Teil davon zu werden.

    Eine Bloggerin meinte zu mir, sie hätte es nie so lange wie ich gemacht, hätte sie keine Aussicht auf Erfolg. Ja ich habe „NUR“ 650 Follower bei Insta, obwohl ich seit Anfang an dabei bin. Und meine Reichweite ist wirklich sehr gering, meine Post werden kaum gelesen. Und nach langen Selbstzweifeln und Gedanken, kann ich trotzdem sagen, dass ich es an erste Stelle für mich mache und dann für meine Leser!
    Durch diesen ganzen Konsum Wahnsinn und Geld verdienen, haben viele vergessen, dass wie alle aus Spaß angefangen haben zu bloggen! Das wir praktisch unser Leben protokolieren und die schönen Momente fest gehalten haben. Das ist es viel Wert, meinst du nicht?
    Kostantina
    http://evasgirlblog.blogspot.de/

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